Fast 400 Radfahrer demonstrierten gegen überdimensionierte Ausbaupläne der B12

Bei herrlichem Sonnenschein zeigten gut gelaunt am Sonntag, den 19. September 2021, knapp 400 Radler und Radlerinnen auf dem B12-Abschnitt zwischen Jengen und A96-Auffahrt, was sie von den Ausbauplänen der B12 halten: Nämlich nichts! Sie demonstrierten für klimafreundliche Verkehrskonzepte, für eine flächenschonende Politik, für ein Allgäu, das auch die Anwohner und Anwohnerinnen genießen können - kurz: gegen die vorgelegten Ausbaupläne in Autobahndimension ohne Geschwindigkeitsbegrenzung. Unter den Demonstranten waren aber nicht nur Vertreter von Politik wie Bundestagsabgeordnete Susanne Ferschl und Vertreter von Umwelt- und Bauernverbänden, sondern vor allem Anwohner aus den betroffenen Gemeinden des ersten Bauabschnitts: Buchloe, Jengen und Germaringen.


Thomas Reichart vom Bund Naturschutz kritisierte, dass dieses Projekt gegen das Klimaschutzgesetz der Regierung verstoße. Denn auch der Sektor Verkehr sei zur Einsparung von CO2 verpflichtet. Ein Autobahnbau sei aber das Gegenteil davon: Allein durch den Beton für die vielen neuen Brücken würden Tonnen an CO2 freigesetzt werden, vom zusätzlichen Verkehr, der ohne Geschwindigkeitsbegrenzung durch das Allgäu rast, gar nicht zu sprechen. Elfi Klein, Anwohnerin in Lindenberg, erinnerte an das Jahrhunderthochwasser von 1999, die viele Lindenberger betraf. Der erhöhte Ausbau der B12 und die Lärmschutzwälle würde eine Barriere ohne Durchlässe zu den vorgesehenen Überflutungsflächen auf der anderen Seite der B12 darstellen.

Peter Griegel, vom Landesbund für Vogelschutz (LBV), kritisierte die 100 Hektar Fläche, die zwischen Buchloe und Kempten versiegelt werden soll. Und Thomas Kölbl, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands (BBV) machte deutlich, dass es sich bei dieser Fläche, um die durchschnittliche Bewirtschaftungsfläche von drei Allgäuer Bauern handele. Die lokale Lebensmittelversorgung dürfe nicht dem Straßenbau geopfert werden. Verkehrspolitik müsse Zukunftspolitik werden.


Aus dem südlichen Allgäu warnte die Oberstorfer Kreisrätin Martina Noichl-Heidweiler, dass ein Ausbau der B12 nur für einen noch größeren Verkehrskollaps im Tourismusgebiet führen wird. Es würden noch mehr Tagesausflüger aus München oder Augsburg kommen, für die jetzt schon ungenügend Parkplätze vorhanden sind. So resümierte der Versammlungsleiter Dr. Günter Räder: „Diese Ausbaupläne müssen in der Schublade verschwinden!“


Ein Aspekt war an diesem Tag besonders deutlich wahrnehmbar: Während der zweistündigen Sperrung der B12 war es sehr ruhig. Doch kaum wurde die Sperrung wieder aufgehoben, dröhnte das Rauschen der Autos in Richtung des Lindenberger Südens.

Für einen schönen Eindruck der Demo sorgen diese Drohnenbilder der Allgäuer Zeitung:

https://www.youtube.com/watch?v=QX2Jb_9uapQ

Bürgerinitiative gegen den Ausbau der B12 zur breiten Autobahn ohne Tempolimit


Unnötige Geldverschwendung und Flächenfraß ohne Rücksicht auf die zukünftigen Mobilitätsbedürfnisse und Belastungen für Umwelt und Bürger.

Gerne und oft wird den Gegnern staatlicher Strassenbauvorhaben vorgeworfen, aus persönlichen Interessen als Anwohner oder Aktivist den Fortschritt und den Willen der Mehrheitsgesellschaft zu blockieren und damit gerade im Fall des Ausbaus der B12 die zukünftige Sicherheit der Autofahrer zu gefährden.


Nichts könnte in unserem Fall unzutreffender sein.

Wir sind Bürger und Anwohner der B12, Pendler und Vielfahrer, Stadträte und Bürgermeister, Parteimitglieder der FDP, der Freien Wählern, der SPD, der Linken, der UBI und der Grünen, sowie Experten des Hochwasserschutzes, des Bund Naturschutzes und der Initiative "Rettet den Grünten".


Wir sind geeint in unserem Willen, für die Menschen des Ostallgäus eine bessere Lösung zu erreichen!

Lernen von der Isental-Autobahn! Interview mit Heiner Müller-Ermann

Heiner Müller-Ermann aus Dorfen wehrte sich gegen den Bau der A 94 durch das Isental. Vergeblich! Wir haben uns mit ihm über die Zeit des gemeinsamen Widerstands der Naturschützer und Landwirte unterhalten - und was wir bezüglich der Allgäu-Autobahn lernen können. Hören Sie selbst im nebenstehenden Interview. 


Lesen Sie hier selbst nach, mit welcher Lärm-Problematik die Menschen an der A 94 heute zu kämpfen haben und deren "Anspruch auf ergänzenden Lärmschutz" (Süddeutsche Zeitung). 


Die Allgäu-Autobahn B12 ist übrigens mit 28m noch breiter geplant als die A 94. Laut Auskunft des Straßenbauamts bei dem Erötertungstermin in Buchloe Mitte Juli 2021 ist  kein Tempolimit vorgesehen. Gleichzeitig ist der Lärmschutz berechnet für eine Maximalgeschwindigkeit von 130 km/h (ebenfalls Auskunft des Straßenbauamts beim Erötertungstermin).


Wir sehen hier eine Lücke in der Lärmschutz-Logik.
Und Sie?

Bundesweites "Bündnis Verkehrsinitiativen" fordert sofortiges Moratorium

Unser Aktionsbündnis hat sich mit über 20 weiteren Bürgerinitiativen bundesweit zu dem "Bündnis Verkehrsinitiativen" zusammengeschlossen. Die Kernforderungen des Zusammenschlusses sind die sofortige Aussetzung der Neu- und Ausbauten von Autobahnen und Bundesstraßen sowie die grundlegende Überprüfung der Bedarfspläne des Bundesverkehrswegeplans (BVWP), zu dem auch der B12-Ausbau zählt.

Zentrale Kriterien bei der Bedarfsplanüberprüfung müssen eine Verkehrsverlagerung auf die Schiene sein, eine realistische Nutzen-Kosten-Schätzung, reale Bürgerbeteiligung vor Ort und vor allem die Berücksichtigung der Klimaschutzgesetze. Download des Forderungspapiers des Bündnis.

Spenden an den BUND

Wir unterstützen unseren Bündnispartner BUND! Als Umweltorganisation ist der Bund Naturschutz klageberechtigt. Für eine erfolgreiche Klage sind kostenintensive Gutachten notwendig. Der BUND sammelt für deren juristisches Vorgehen noch Spenden, die steuerlich absetzbar sind.

UMFRAGE-ERGEBNISSE
Über 2300 Teilnehmer, 40% für die Autobahn, 60% gegen den jetzigen Plan

Wir haben online gefragt, wie Ihr Euch den Ausbau der B12 wünscht und haben nach über 2300 Teilnehmern bei der Umfrage relativ klare Ergebnisse erhalten:


  • ca. 40% der Bürger sind für den jetzigen Plan des Ausbaus der B12 zur Autobahn ohne Tempolimit
  • ca. 25% wollen einen 4-spurigen Ausbau mit Tempolimit 120 km/h
  • ca. 7% wünschen sich einen 3-spurigen Ausbau mit Tempo 100
  • ca. 25% wollen die B12 so belassen und die Gefahrenstellen über  Tempo 80 an Gefahrenstellen und Blitzer entschärfen
  • ca. 3 % wünschen gar keine Veränderungen


Die Umfrageergebnisse sind nicht repräsentativ, geben aber einen guten Eindruck. Es bleibt viel zu tun!

Wenn man die Argumente aus den Kommentaren bei Facebook zusammenfassen möchte, so treibt die allermeisten Bürger ein einziges Thema um:

"Wir müssen die tödlichen Unfälle vermeiden und dafür braucht es eine Mittelleitplanke!"


Uns bleiben da immer wieder die Worte aus einem Artikel der Allgäuer Zeitung aus 2016 im Gedächtnis:


„Es gibt ein Missverhältnis von gefühltem und realem Risiko“


Rainer Lutz (Erster Polizeihauptkommissar)


Der Artikel der Allgäuer Zeitung ist per Klick auf das Zitat verlinkt und verdeutlicht sehr gut, wie es zu diesem "Gefühl" in der Bevölkerung kommt.


Und keine Frage, die B12 ist vielbefahren und gerade die langen zweispurigen Teilstücke von Kempten nach Wilpoldsried und der Mooshütte bis Kaufbeuren sind zum Überholen eigentlich ungeeignet (obwohl es erlaubt ist) und bergen ein großes Frustrationspotential bei Autofahrern, die hinter einem LKW herfahren. 


Aber muss die Lösung zwingend ein Ausbau zur Autobahn sein?


Haben wir Bürger in Zeiten der Klimakrise denn nicht die Verantwortung, bessere Lösungen zu finden und umzusetzen?


Führt nicht der Bau einer Autobahn zu einem weiteren Anstieg des Autoverkehrs, während wir eigentlich positive Anreize für die Nutzung von Bus und Bahn schaffen müssten?


Es gibt Wege, die Verkehrstoten zu reduzieren, Flächen zu erhalten und die Gelder in wirklich wichtige Projekte wie die Elektrifiztierung der Bahnstrecken zu investieren. Wir müssen es nur wollen!

    WARUM SIND WIR GEGEN DEN JETZIGEN PLAN?

    “Wir brauchen in Zeiten der Klimakrise keine Autobahn - breiter als die A96 und ohne Geschwindigkeitsbeschränkung! - durch unser Ostallgäu. Wer Strassen baut, wird Verkehr ernten!”


    Dr. Günter Räder, Obergünzburg

    Der B12 Ausbau verschlingt 3 durchschnittliche Allgäuer Bauernhöfe.
    Es ist der Wahnsinn! Wenn der politische Wille da wäre, könnte man leicht flächenschonender ausbauen."


    Michael Haußer, Jengen

    Wie verträgt sich der Ausbau der B12 mit dem von Herrn Söder angekündigten Umdenken in Verkehr, Umweltschutz und Flächenverbrauch?

    Warum wird in 2020 weiterhin die Straße vor der Schiene gefördert?"


    Peter Wonka, Marktoberdorf

    “Wenn diese Strasse in 10 Jahren endlich fertig ist, stehen wir kurz vor dem flächendeckenden Durchbruch des automatisierten Fahrens. Unfälle werden der Vergangenheit angehören und Strassen durch die Vernetzung der Fahrzeuge viel effizienter ausgenutzt werden."


    Robert Herbst, Marktoberdorf

    “Hier werden Steuergelder verschwendet! Die B12 muss 3-spurig ausgebaut werden und Gefahrenstellen gehören durch Geschwindigkeitsbeschränkungen und Kontrollen entschärft. Der jetzige Plan aber schießt weit übers Ziel hinaus!"

    Chrissi Myrtsidou-Jung, Kaufbeuren

    Wir brauchen die Elektrifizierung der Bahnstrecke von Buchloe nach  Kempten, neue Bahnhalte und einen allgäuweiten Verkehrsverbund. Eine Autobahn durchs Ostallgäu führt lediglich zu noch mehr Verkehr und Tagestouristen am Alpenrand!"


    Thomas Reichart, Ebenhofen

    Der Hochwasserschutz bzw. die Überflutungsgebiete neben der B12 sind wegen der Versiegelung und des Höherlegens der B12 in Gefahr. Unser gutes Trinkwasser in Buchloe wird wegen der Versickerung der Salze ins Grundwasser verunreinigt!"

    Elfi Klein, Buchloe-Lindenberg

    WAS IST JETZT ZU TUN?

    Das Planfeststellungsverfahren für den ersten Bauabschnitt zwischen Untergermaringen und Buchloe läuft und wir haben viele Einwendungen an die Regierung von Schwaben gesendet.


    Die nächsten Bauabschnitte folgen bereits und sind angestoßen. Der Prozess wiederholt sich insgesamt 6 Mal.


    Auch dort werden in Kürze Fristen genannt werden, so dass uns Handlungsoptionen gegeben sind.

    Drei Aktionsfelder zeichnen sich ab, derer wir uns annehmen:


    1. Rechtliche Möglichkeiten ausschöpfen und die Grundstückseigentümer dabei unterstützen, ihre Flächen zu sichern.

    2. Die Bevölkerung weiter aufklären und sensibilisieren (Veranstaltungen etc.)

    3. Politiker und Parteien dafür gewinnen, den Ausbau zu überdenken

    WAS KANN ICH NOCH TUN?

    Den Bürgern des Ostallgäus ist noch nicht bewusst, was da auf sie zukommt... nicht einmal den direkten Anwohner der B12.


    Es gilt sie zu informieren, sie zu unterstützen und sie auf das Ausmaß der geplanten Baumaßnahmen aufmerksam zu machen.

    Sprechen Sie also mit Ihren Nachbarn, folgen Sie uns auf Facebook (b12-so-nicht) und mischen Sie sich online in die vielfältigen Diskussionen ein.

    Spenden Sie unserem Bündnispartner BUND. Wir unterstützen den BUND bei der Vorbereitung einer Klage, wofür aktuelle Gutachten notwendig sind. Ihre Spende an den BUND ist steuerlich absetzbar:

    https://www.betterplace.org/de/projects/94625



    Wir planen weitere Veranstaltungen und vieles mehr...

    Schreiben Sie uns!